Chancen nutzen, Vertrauen schaffen.

Die Idee ist da. Manchmal wabert sie noch etwas unklar im Kopf herum und damit andere sie verstehen können, muss sie sich aber irgendwie noch mehr manifestieren. Ein Problem, dem wir Ingenieure, zumindest aus technischer Sicht, häufiger gegenüberstehen, es aber als grundsätzlich lösbar sehen. Die Rahmenbedingungen für so einen Prozess können wir natürlich nicht immer direkt bestimmen, wohl aber versuchen, auf Basis der bestehenden Erkenntnisse, Trends zu erkennen und entsprechend vorausschauend zu handeln.

Das es sehr hilfreich ist, gemeinsam zu agieren, zeigt seit vielen Jahrzehnten die äußerst konstruktive Zusammenarbeit der Mitgliedsverbände im ZBI. Gemeinsam setzen wir uns für Ziele ein, die ein einzelner Verband in dieser Konsequenz selten durchsetzen kann. Sei es, dass es an der Mitgliederzahl und damit an der Wahrnehmung durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft liegt, oder auch ganz einfach nur an den finanziellen oder personellen Möglichkeiten eines sehr kleinen Einzelverbandes. Seit wenigen Monaten haben wir eine neue Bundesregierung und damit viele aktuelle ingenieurpolitische Herausforderungen, denen wir uns sehr zeitnah stellen müssen. Seit Jahresbeginn hat der ZBI sich bereits auf mehreren Feldern zu Wort gemeldet. So beispielsweise in dem wichtigen Politikfeld „Bauen“, das nunmehr dem „Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)“ zugeordnet worden ist. Zwar sind einige Aspekte im neuen Aufgabenspektrum des neu geschaffenen Ministeriums durchaus zu begrüßen, weil damit wichtige Querbezüge und Synergien zwischen Umwelt- und Naturschutz, Planen und Bauen hergestellt werden, gleichzeitig ist aber zu befürchten, dass der neue Ressortzuschnitt zu Spannungen mit dem Wirtschaftsministerium wie auch dem Verkehrsministerium führen wird. In den beiden letztgenannten Ministerien liegen bekanntermaßen die Zuständigkeiten für Energie bzw. Infrastruktur, also zwei eminent wichtigen Themenfeldern im Bereich des Baues. Nachteile für das Bauwesen sind aufgrund dieser Aufgabenzerlegung fast schon vorhersehbar.

Ähnliche Themenkomplexe sind im Bereich des Öffentlichen Dienstes auszumachen: Hier steht seit geraumer Zeit die Erhöhung der Attraktivität des öffentlichen Dienstes für junge Menschen im Fokus, besonders in Hinblick auf Bezahlung, beruflichem Aufstieg und Alterssicherung als Alternative zur Privatwirtschaft. Gefordert ist vom ZBI zudem die Möglichkeit einer aktiveren Mitwirkung bei aktuellen Reformen der Verwaltungen, um einem Abbau öffentlicher Leistungen entgegenzuwirken. Und auch der Arbeitsmarkt bleibt ein Sorgenkind. Aktuell blicken die deutschen Wirtschaftsinstitute zwar überwiegend zuversichtlich in die Zukunft, gleichwohl: trotz guter Zahlen bleiben die Probleme, die den Arbeitsmarkt prägen, bestehen. Fachkräftemangel und Nachwuchsprobleme in den Ingenieurdisziplinen sind nur beispielhafte Schlagworte dafür. Hier gilt es rechtzeitig die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und – falls notwendig – auch einmal alte Zöpfe abzuschneiden. Das vom ZBI geforderte Promotionsrecht für forschungsstarke Fachhochschulen ist nur ein Beispiel dafür.

Ein weiterer Themenschwerpunkt ist der Fachkräftemangel. Je nach Branche oder Region ist es schon heute für manches Unternehmen extrem schwierig, Stellen adäquat zu besetzen. Gerade im Ingenieurbereich hat die Nachfrage in den letzten Monaten deutlich zugelegt: Laut VDI-/IW-Ingenieurmonitor gab es im Dezember 63.700 offene Stellen – 10,6 Prozent mehr als im Vormonatsvergleich. Zwar stieg auch die Arbeitslosenzahl leicht, jedoch liegt diese liegt mit rd. 27.000 Personen noch weit unterhalb des aktuellen Fachkräftebedarfs. Laut VDI-/IW-Ingenieurmonitor kamen im Schnitt in den Ingenieurberufen bei steigender Tendenz 2,3 offene Stellen auf einen Arbeitslosen. Diese Thematik noch dringender deutlich zu machen, gleichzeitig aber auch Lösungsvorschläge zu unterbreiten ist eine hochaktuelle Herausforderung (nicht nur) für den ZBI. Zudem stehen technische wie auch gesellschaftspolitische Problemstellungen auf der Agenda, beispielsweise die Umsetzung der Energiewende, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur oder auch die durchgreifende Modernisierung der digitalen Infrastruktur, um nur einige zu nennen. Auf ihrer Suche nach Lösungen ist die Politik in diesen Themenfeldern auf die Kompetenz der Ingenieure angewiesen.

Als Dachverband für Ingenieurvereine bietet sich der ZBI hier natürlich als idealer Gesprächspartner an. Mit der Gründung der Zentralverbandes der Ingenieurvereine (ZBI) e.V. haben wir uns mehrfach auf ingenieurrelevanten Themenfeldern positioniert und immer sehr deutlich gemacht, dass wir Ingenieure auch unter Beibehaltung der jeweiligen Verbandsidentitäten in bestimmten Themenkomplexen durchaus mit einer machtvollen Stimme sprechen können. Unsere Erfahrung zeigt, dass insbesondere in der operativen Verbandsarbeit – unabhängig von speziellen Verbandsinteressen – sehr viele gemeinsame substantielle Positionen auszumachen sind, die gemeinsam wesentlich erfolgreicher vertreten werden können.

Nach der Wahl ist vor der Wahl, und so gilt es in nächster Zeit neue politische Kontakte zu knüpfen, bestehende Verbindungen in die Politik zu pflegen und unsere berufsständischen Positionen gegenüber neuen und alten Akteuren deutlich zu machen. In diesem Kontext werden wir auch weiterhin bestehende Strukturen gemeinsam nutzen und ausbauen. Was wir dafür benötigen ist Ihr Vertrauen und insbesondere Ihre aktive Mitwirkung.

Abschließend bleibt mir nur noch einen sehr großen Dank an unsere bisherige Präsidentin Iris Gleicke auszusprechen. Wie bereits berichtet ist Iris Gleicke zur Ostbeauftragte der neuen Bundesregierung im Rang einer Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie ernannt worden. Zur Vermeidung von Interessenkonflikten musste sie daher ihr Amt als ehrenamtliche Präsidentin des ZBI leider niederlegen.

Im Namen aller Ingenieurinnen und Ingenieure möchte ich Iris Gleicke an dieser Stelle öffentlich für ihr unermüdliches Engagement und ihre aufopfernde Arbeit im ZBI ganz herzlich danken. „Liebe Iris, Deinem besonderen und beständigen Einsatz für den Berufsstand der Ingenieurinnen und Ingenieure und der damit verbundenen Bereitschaft, sehr viel Freizeit zu opfern und Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, gebührt großer Dank und Anerkennung. Iris, Du hast einen richtig guten Job gemacht!“

 

Wilfried Grunau
Präsident des ZBI